Individualisierte Bildungsangebote, Unterstützungsmassnahmen, Steuerungswissen: Oft bilden Daten die Grundlage für gezielte und rasch wirksame Massnahmen auf allen Ebenen des föderalen Bildungssystems. Aus diesem Grund haben uns die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit der Entwicklung einer Datennutzungspolitik für den Bildungsraum Schweiz beauftragt (Beschlussdokument).

Erhebung bei Schulen und kantonalen Bildungsbehörden

Im Rahmen dieses Aufbaus haben wir eine Erhebung unter Schulen und kantonalen Bildungsämtern durchgeführt. 228 Personen haben an der Online-Befragung teilgenommen. Davon 109 aus kantonalen Behörden und 119 aus den Schulen aller Stufen. Die Teilnahme war freiwillig. Es lassen sich keine Aussagen zur Repräsentativität der Erhebung machen. Die Antworten liefern in ihrer Gesamtheit aber dennoch wertvolle Hinweise zur Ausgangslage in den Kantonen und in der Bildungspraxis.

Probleme treten regelmässig aber selten auf

Aus den Ergebnissen der Umfrage lässt sich herauslesen, dass Fragen und Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung oder dem Schutz von Daten sowohl innerhalb der Schulen wie in den kantonalen Bildungsämtern regelmässig, aber zumindest in den einzelnen Institutionen mit geringer Häufigkeit auftreten (Abbildung 1). Fragen zum Datenschutz (z.B. zu Kriterien bei der Nutzung von Online-Diensten, lokalen Anwendungen oder Apps) tauchen durchschnittlich zwei Mal pro Monat in den kantonalen Bildungsämtern und einmal pro Monat bei den teilnehmenden Schulen auf. Auf Fragen oder Probleme in Bezug auf die Nutzung von Daten (z.B. Zugang zu externen Datenquellen) treffen die Befragten der Erhebung rund etwa einmal pro Monat. Berücksichtigt man Unterschiede in den Schul- und Kantonsgrössen so zeigt sich, dass in den kantonalen Bildungsämtern pro Monat etwa eine Frage je 60 Schulen zu Datenschutz und eine Frage je 180 Schulen zu Datennutzung gestellt werden. Bei den teilnehmenden Schulen generieren durchschnittlich gut 100 Schülerinnen und Schüler eine Frage pro Monat zu Datenschutz und 200 Schülerinnen und Schüler eine Frage pro Monat zu Datennutzung.

Häufigkeitsverteilungen des Auftretens von Fragen und Problemen im Zusammenhang mit Datennutzung (oben) und Datenschutz (unten)

Häufigkeitsverteilungen des Auftretens von Fragen und Problemen im Zusammenhang mit Datennutzung (oben) und Datenschutz (unten)

Unter der Annahme, dass die Angaben aus der Befragung valide Rückschlüsse auf alle Bildungsämter und Schulen in der Schweiz zulassen, bedeutet dies, dass pro Jahr schweizweit knapp 3'000 Fragen zu Datenschutz und etwa 2'000 Fragen zu Datennutzung in den verschiedenen Bildungsämter aller Kantone anfallen. Alle Schulen zusammen wären pro Jahr mit mehreren 10'000 Fragen und Problemen zu beiden Themenfeldern konfrontiert.

Für uns unterstreichen die Resultate dieser Umfrage folgenden Befund: Fragen zu Datennutzung und -schutz sind für die Befragten nicht täglich auf der Agenda, sie sind aber meist aufwändig und kompliziert zu behandeln, sobald sie auftauchen. Dies unterstreicht die Bedeutung von zusätzlicher Unterstützung in diesem Thema.

Datennutzung: was soll das heissen?

Um eine Vorstellung von den Bedürfnissen in Bezug auf Datenschutz und Datennutzung auf Seiten von Schulen und Bildungsämtern zu erhalten, wurden Teilnehmende beider Erhebungen zudem gebeten, die drei aus ihrer Sicht drängendsten Fragen zu Datenschutz und Datennutzung an den Schulen und in den Bildungsämtern anzugeben. Insgesamt sind so gut 450 Anliegen zusammengekommen.

Betrachtet man diese Anliegen fällt zunächst auf, dass es grosse thematische Überschneidungen zwischen Fragen zu Datenschutz und Fragen zu Datennutzung gibt. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass der Datenschutz die Grenzen für die Nutzungsmöglichkeiten von Daten bestimmt. Es zeigt sich auch, dass Strategien zur Datennutzung oft noch nicht voll entwickelt sind und so keine klaren Vorstellungen davon existieren, wie man Daten sinnvoll und mehrwertgenerierend nutzen könnte.

Häufigkeit der Worte in den drängenden Fragen und Anliegen der Befragung.

Häufigkeit der Worte in den drängenden Fragen und Anliegen der Befragung.

Grosse Unsicherheiten

Eine Analyse der Worthäufigkeiten in den verschiedenen Anliegen (vgl. Abbildung 2) zeigt zudem, dass es aktuell grosse Unsicherheiten gibt im Hinblick auf die Frage, welche Applikationen und Onlineangebote eigentlich noch rechtssicher nutzbar sind und welche Informationen mit wem tatsächlich geteilt werden dürfen. So sind die einzigen Verben, die es in beiden Themenbereichen unter die häufigsten 20 Worte geschafft haben, die Begriffe «dürfen», «erlauben» und «gehören». Sie entstammen in der Regel Fragen nach dem Eigentum an Daten («Wem gehören eigentlich Daten?) und nach den Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von Applikationen und Dienstleistungen («Was darf ich machen?» / »Was ist erlaubt?»).

Wie geht es weiter?

Ergebnisse der Erhebung werden aktuell noch detaillierter ausgewertet. Die daraus resultierenden Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung eines Angebotsportfolios ein. Wir werden die seitens der Kantone aufgebrachten Fragen zudem insbesondere für den Aufbau des Programms zur Entwicklung einer Datennutzungspolitik für den Bildungsraum Schweiz verwenden.

ähnliche Beiträge

Bei digitalen Lehrmitteln und Lernapplikationen gibt es im föderalen Bildungssystem unterschiedliche Zuständigkeiten beim Datenschutz. Dies führt zu Unsicherheiten bei den Verantwortlichkeiten, wie das Datennutzungsprojekt im Kanton Aargau zeigt. Notwendig sind klare Verantwortlichkeiten und Sensibilisierung.

Das Projekt IDENTI des Kantons Luzerns beschäftigt sich mit der digitalen Identität der Schülerinnen und Schüler und beleuchtet die Rahmenbedingungen von digitalen Lehrmitteln und Applikationen. Karin Weber und Reto Buchmann, Co-Projektleitung, haben für uns erste Lösungsansätze für die identifizierten Herausforderungen skizziert.

Aufgrund des rasanten technologischen Fortschritts sind die Rahmenbedingungen von KI-Technologien auch im Bildungsbereich oft unklar. Das Projekt «Innovation-Sandbox für KI» will regulatorische Klarheit schaffen. Raphael von Thiessen, Leiter des Sandbox-Projekts Kanton Zürich, erläutert die Vorgehensweise.

Eine Fremdsprache lernt man am besten durch Sprechen. Doch gerade im Schulalltag kommt die Sprechzeit oft zu kurz. Ein stimmbasierter Chatbot soll hier Abhilfe schaffen. Was es mit dem Projekt «Towards a Voice-based Chatbot for Language Learners (ChaLL)» auf sich hat und welche Prämissen im schulischen Kontext zu beachten sind, erklärt Co-Projektleiter Michael Geiss von der PH Zürich.